EIn Rückblick

Fazit: 21 Tage ohne mich zu beschweren || eine Schlussbetrachtung

21 Tage liegen hinter mir, seitdem ich beschlossen habe, mich nicht mehr zu beschweren (hier geht’s zum Beitrag). 21 Tage, für die ich mir vorgenommen hatte, mich nicht durch unbedeutende Kleinigkeiten aus der Ruhe bringen zu lassen. Ich wollte mich nicht über Dinge beschweren, die ich nicht ändern kann, mich nicht durch Gemecker und Gejammer in eine Negativspirale ziehen lassen. Ich wollte nervenaufreibenden Situationen mit Toleranz und Gelassenheit begegnen und besonders darauf verzichten, Menschen zu verurteilen und absichtlich misszuverstehen, damit sie in das Bild passen, das ich mir irgendwann mal von ihnen gemacht habe.

Was soll ich sagen: Ich habe versagt.

Tirol

Natürlich habe ich es bei Weitem nicht geschafft, mich nicht zu beschweren. Dafür können wir, die wir auf allerengstem Raum unsere Leben eng miteinander verflechten, es gar nicht verhindern, uns gegenseitig in die Quere zu kommen.

Nichtsdestotrotz war die Challenge ein Erfolg! Ein Erfolg nicht nur deshalb, weil jeder Motzaussetzer einen Euro für einen guten Zweck bedeutete, sondern auch, weil ich jetzt mehr über mich weiß. Ich habe sehr viel darüber gelernt, wie sich meine Stimmungen entwickeln und wie die Situationen überhaupt entstehen, in denen ich mich ärgere. Eben weil ich mich nicht beschweren durfte, wurden mir die Augenblicke bewusst, in denen ich unter normalen Umständen einfach drauflosgezetert hätte, jetzt aber einen Schritt zurückgesetzt und beobachtet habe, warum ich mich überhaupt ärgere. Sobald ich den Impuls nüchtern analysiert habe, hat er seine Dringlichkeit verloren und wurde dadurch nichtiger, leichter. Und plötzlich fällt es gar nicht mehr schwer, das Gefühl an sich vorbeiziehen zu lassen.

Allgäu

Mich hat es anfangs Geduld gekostet, aber es wurde immer selbstverständlicher, dass ich, bevor ich über andere schimpfe, erst hinterfrage, mit welchem Motiv sie sich so verhalten. Sind sie wirklich einfach doof oder liegt der Grund für ihr Verhalten vielleicht tiefer oder habe ich es am Ende sogar provoziert? Klar, manche Menschen sind und bleiben auch einfach doof 😉 In diesem Fall sollte man sich aber noch weniger über sie ärgern, weil sie deine Zeit noch weniger verdienen.

Alpakas

Wenn ich jedoch sehe, wie Ignoranten ihren Müll aus dem Autofenster werfen, wie pfirsichfarbene Narzissten mit Regierungsgewalt eine Nation in den Untergang twittern oder wie rumänische Frauen mit Mascaraschmiere unter den leeren Augen auf pinken High Heels am Straßenrand balancieren, dann bin ich plötzlich sogar froh, dass ich mich beschweren kann und mache auch gern davon Gebrauch! Und genau hier liegt der Unterschied: Ich denke, es nicht nur in Ordnung, sondern elementar wichtig, dass wir uns über Missstände beschweren, dann aber auch versuchen, etwas dagegen zu unternehmen. Wir können nicht allen Situationen nur noch mit Gleichgültigkeit begegnen, das ist weder menschlich noch gesund. Es geht vielmehr darum, abzuwägen, welche Dinge es wert sind, sich darüber zu beklagen, und wann wir einfach jammern, um zu jammern oder um Mitleid für unser ach so hartes Leben in Wohlstand und Gesundheit zu ernten. Die Grenze muss jeder für sich selbst ziehen.

Ich kann nur jedem empfehlen, das Experiment auszuprobieren und sich selbst zu beobachten – und wenn es nur für ein paar Tage ist. Es fühlt sich gut an, versprochen. Und jetzt beschwere ich mich genüsslich eine Runde über die Hitze! Wobei, ist es das wirklich wert …?

Regenbogen

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