Fluss in den Smoky Mountains

#USA: Südstaaten-Tagebuch || Part Two

Georgia, Alabama, Tennessee & North Carolina

Klappe, die Zweite: Nach South Carolina und Florida (siehe Beitrag #USA: Südstaaten-Tagebuch || Part One) sind wir zurück in Georgia. Und wir haben Großes vor! Denn wer braucht schon Zäune oder Absperrungen, wenn ein fünf Meter langer Alpha-Alligator langsam ein Auge öffnet und den Blick auf dich richtet …

Sechster Halt: Okefenokee Swamp Park (Waycross, Georgia)

SwampBaby-Alligator

Langsam schiebt sich das flache Motorboot durch das tiefschwarze Sumpfwasser. Durch das Blätterdach des Waldes fallen vereinzelte Sonnenstrahlen, die auf der glatten Wasseroberfläche ein gespiegeltes Ebenbild des Sumpfes erscheinen lassen. Während unser Guide Geschichten über die ersten Siedler und die amerikanischen Ureinwohner erzählt, die einst mit ihren Kanus durch das Unterholz gepaddelt sind, begegnen uns Alligatorjunge, die in der Sonne dösen, Spechte und riesige Libellen.

Doch im Okefenokee Sumpf führen nicht nur Boote durch die prähistorisch anmutende Heimat der Alligatoren, man kann auch zu Fuß auf schmalen Stegen direkt über die Wasseroberfläche laufen oder vom Aussichtsturm aus bis zum Horizont die moosbewachsenen Bäume sich im Wind wiegen sehen. Und noch etwas durfte ich im Swamp Park herausfinden: Ich weiß nun endlich, wie scharf Schildkrötenkrallen sind und wie warm sich Schlangenkörper anfühlen …

Das Beeindruckendste im Oke-Swamp war aber mit Sicherheit Crazy, der männliche Alligator-Koloss, der den ganzen Sumpf beherrscht. Drei Meter sind plötzlich ziemlich wenig, wenn sie das einzige sind, was zwischen dir und einem Tier liegt, das dafür bekannt ist, seine komplette Nachkommenschaft und sämtliche Vorgänger, Rivalen und Ex-Frauen in Stücke gerissen zu haben …

Siebter Halt: U.S. Space & Rocket Center (Huntsville, Alabama)

Wie stolz sie doch sind, die Amerikaner, auf alle ihre Erfolge, ihre Geschichte, ihren Lebensstil, ihre Multimillarden-Dollar-Konzerne, ihre Forschung, ihre Raumfahrt. Natürlich hat der Stolz in vielen Bereichen seine absolute Berechtigung, dennoch ist es faszinierend, wie es die Amerikaner verstehen, auf das Fundament jedes ihrer Wirkungsbereiche einen Freizeitpark zu errichten. Das U.S. Space & Rocket Center ist ganz viel auf einmal: ein interaktives Museum, eine Spielhalle, ein Showroom, ein Schulklassenauffangbecken, ein Betreiber von Fahrgeschäften, eine Lehrstätte, eine Militärwerbeplattform … Um einiges informativer als das Coca Cola „Museum“ in Atlanta ist es dennoch und hey, wo sieht man denn schon ein Stück vom Mond?

U.S. Space & Rocket Center

Achter Halt: Great Smoky Mountains (Tennessee & North Carolina)

Von den Blauen Bergen kommen wir …

Einmal tief einatmen, dann noch ein bisschen tiefer und kurz genießen, wie sich die frische, klare Luft in den Lungen anfühlt. In der Sommerschwüle vermutlich kein Vergleich – im Frühling ein Weckruf.

Great Smoky MountainsWasserfallGreat Smoky Mountains

Erst mal drin, im Park, sind die Great Smoky Mountains ein unglaublich anmutiger, friedvoller Anblick. Zuvor (man erinnere sich an den Absatz zuvor über das Entertainment-liebende Amerika) passiert man allerdings den absurdesten Ort, den ich seit langer Zeit die Ehre hatte, bestaunen zu dürfen: Gatlinburg! Wer am Eingang eines Natur-Nationalparks eine kleine Ranger-Station mit Souvenir-Shop erwartet, wird hier enttäuscht, doch wer eine Alpin-Version von Las Vegas schätzt, wird Gatlinburg lieben 😉

Für diejenigen, die den Trubel und horrende Hotelpreise umgehen möchten, sind die etwas zurückhaltender gestalteten Orte wie Cherokee oder Townsend deutlich einladender.

Neunter Halt: Asheville (North Carolina)

Ich gestehe: Ich habe mich ein klein wenig verliebt. Verliebt in Asheville, eine Stadt, die so anders ist als alle amerikanischen Städte, die ich bis dato kennengelernt habe. Der Hauptgrund für die alternative Entwicklung dieses Ortes ist vermutlich die Bevölkerung: Großstadtneurotiker, Künstler, eine große homosexuelle Gemeinschaft und Überbleibsel der Hippie-Ära. Alle zusammen formen eine unangepasste Kulturstadt, die mit Art-déco-Architektur, veganen Restaurants und Läden lockt, aus denen es nach Räucherstäbchen und Pfefferminztee duftet.

Asheville Coffee & Desserts Bus

Wenn man die Stadt zu Fuß erleben möchte, gibt es die Möglichkeit, dem Urban Trail zu folgen. Dieser ist durch 30 – meist bronzene – Denkmäler bezeichnet, von denen jedes seine eigene kleine Geschichte zur Stadt erzählt. So landet man zum Beispiel automatisch auf den Spuren des Autors und Asheville-Sohns Thomas Wolfe oder kommt an den besten Cafés der Stadt vorbei.

Zehnter Halt: Charlotte (North Carolina)

Charlotte ist ein herziger Ort in North Carolina, der vor allem gastronomisch ein ziemlich breites Angebot vorzuweisen hat. Obwohl uns eigentlich nur ein kurzer Stadtspaziergang vergönnt war, hat sich Charlotte trotzdem einen kleinen Auftritt in meinem Beitrag verdient und sei es nur für den ultimativen Gastro-Tipp: die Cantina 1511, in der die frisch am Tisch zubereitete Guacamole nur das Tüpfelchen auf dem i war.

Cantina 1511Charlotte

Wenn man Urlaub in den USA macht, ist es so, als würde man sagen, man macht Urlaub in Europa. Die Dimensionen, die Vielfalt, das Angebot, die Abwechslung – jeder Tag ist dazu bestimmt, dir mindestens eine Sache zu zeigen, die du noch nie in deinem Leben gesehen hast und sei es nur die unfassbare Anzahl der Fernseher in einer Bar, in der du ganz nebenbei den besten Pulled-Beef-Burger deines Lebens verspeist.

So sehr sich das Staatsoberhaupt auch anstrengt, einem die Freude an diesem Urlaubsland zu nehmen: Die USA haben so viel Bestaunenswertes zu bieten, so viel Absurdes und Wunderschönes, dass es zu traurig wäre, sie nie besucht zu haben.

 

** Vielen Dank an meine Mitreisenden und Co-Fotografen, dass ich einige der von euch gemachten Bilder verwenden durfte **

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