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Hofflohmarkt

Schmeiß den Plunder aus dem Fenster!

Das exzentrische Sommerkleid mit Fledermausärmeln, das zu Hause irgendwie doch nicht mehr so „zeitlos elegant“ rüberkommt wie an der Puppe im Laden, das sechste Set Espressotassen mit neckischem Spiraldruck oder Omas alte Schreibtischlampe, die statt Vintage leider nur oll ist – des einen Ballast, des anderen (vielleicht) ein Schatz! Flohmärkte sind eine so charmante Art und Weise, sich seines überflüssigen Krempels zu entledigen oder auch der Sachen, die man zwar nicht mehr benutzt, aber bei denen man es einfach nicht übers Herz bringt, sie in die Tonne zu werfen.

In unserer Stadt wie auch in vielen anderen deutschen Großstädten grassiert dank der Retro-Nachhaltigkeits-„alles-cool-was-alt-ist“-Bewegung eine große Flohmarkt-Welle, die auch Projekte wie die Hofflohmärkte geboren hat. Ein Basar vor der eigenen Haustür? Besser geht’s gar nicht! Über www.hofflohmärkte.de kann man sich mit seinem Innenhof (Verkäufe auf der Straße sind leider nicht erlaubt) anmelden. Gegen eine kleine Standgebühr, die pro Hof und nicht pro Teilnehmer veranschlagt wird, wird man mit seinem Standpunkt auf einer Karte des Stadtviertels vermerkt, sodass die Schnäppchenjäger am Veranstaltungstag alle teilnehmenden Innenhöfe finden und abklappern können. Die Karte liegt in gedruckter Form in den umliegenden Geschäften und Lokalen aus und ist auch als Digitalversion abrufbar. Das Beste daran: Kein Aufbau um 5 Uhr morgens auf einem Baumarkt-Parkplatz in Hintertupfingen, kein Streit mit Konkurrenten um die 15 Zentimeter Überstand, keine verzweifelte Suche nach halbwegs humanen Klos oder Futterständen.

Weil ich mir zugunsten einer schönen Atmosphäre gern Mühe gebe, wollte ich auch unserem Flohmarktstand einen extra käuferfreundlichen Schliff verleihen.

Begrüße deine Kunden mit einer persönlichen BotschaftGroße Dinge nach hinten, kleine nach vorn!Je nachdem, was man verkaufen möchte, bieten sich Tische, Decken oder Kleiderstangen an, um zu zeigen, was man so vor der Hütte hat. Lange Tapeziertische oder Bierzelttische sind perfekt. Mit ein paar Tischdecken wird’s etwas ansehnlicher und man kann unterm Tisch Kartons und Kisten verstecken. Da wir relativ viele Klamotten im Angebot hatten, haben wir Kleiderstangen und Wäscheständer aufgebaut. Ein paar Kleider konnten wir auch am Zaun aufhängen und so besonders in Szene setzen. Immer überlegen: Wie machen es die Experten? Man könnte zum Beispiel nach Größen, Farben oder Jahreszeiten sortieren, Outfits zusammenstellen und als Set präsentieren, Accessoires dazulegen, besondere Eyecatcher nach vorn hängen und so weiter und so fort. Das geht natürlich auch mit anderen Dingen als Kleidung: Buchstützen kommen zu den Büchern, (unbenutzter!) Nagellack zu (unbenutztem!) Nageletui, Eierwärmer zu Eierbechern.

Selbst aus unscheinbaren Artikel kann man eine Menge herausholen.

Und was wären wir ohne Spiegel gewesen? Klar, hat nicht jeder zufällig einen rumstehen, aber falls sich irgendwie einer organisieren lässt, ist der wirklich Gold wert. Wir haben spontan mit Decke und Garagenstellplatz noch eine Umkleidekabine improvisiert, die in Kombination mit dem Ganzkörperspiegel bei einigen Zweifeln dann doch zum Griff nach dem Portemonnaie geführt hat.

Aus Pappe haben wir jede Menge kleine Schilder gebastelt, auf die wir Preise, Größen oder verkaufsfördernde Infos („Echtleder“, „ungetragen“ oder ähnliches) geschrieben haben. Übrigens bietet es sich bei unstetem Wetter an, Schirme oder Regenplanen dabei zu haben, damit es einem nicht beim ersten Schauer die Ware verregnet.

Damit man uns auch wirklich findet, haben wir von allen umliegenden Kreuzungen bis zu unserem Innenhof mit Straßenkreide, Luftballons und Pappschildern für Wegweiser gesorgt.

Ein großer Vorteil beim Flohmarkt im eigenen Hof ist, dass man es sich auch selbst etwas komfortabler machen kann. So oder so ist es nämlich meistens dann doch ein langer Tag. Wir haben uns ein paar Stühle aufgestellt und uns von unseren Nachbarn mit Eis und Früchten versorgen lassen. Musik kam aus dem Dusch-Radio und zwischendurch konnte man mal kurz in die Wohnung, um Kaffee für alle aufzusetzen.

Im Laufe des Tages kamen nicht nur jede Menge Hofflohmarktgänger, sondern auch viele Freunde, Kollegen und Laufkunden, die über die Schilder aufmerksam geworden sind. Dummerweise haben wir verschwitzt, einen Grill zu organisieren. Der hätte den Markt sogar noch zu einem richtigen Hoffest gemacht.

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